Zapfenstreich
St. Sebastianus Schützenbruderschaft Linde 1921 e.V.
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Zapfenstreich vom Schützenfest 2004 in Linde
Zapfenstreich in Linde

Der große Zapfenstreich

Wenn Musikvereine, Tambourcorps und Schützenkapellen „Preußens Gloria“ intonieren und die Schützen antreten, dann wird der sogenannte „Große Zapfenstreich“ gespielt. Zu Ehren eines neuen Königs oder einer neuen Königin, bei manchen der Vereine oder Bruderschaften auch zu Jubiläen und hohen Auszeichnungen. Bei dem eigentlichen Zapfenstreich, der in Deutschland eine lange militärische Tradition genießt, ist mit diesem Signal die Ausgangszeit der Soldaten beendet. Er war der letzte Befehl des Abends. In seiner ursprünglichen Form geht der Zapfenstreich auf den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) zurück. Damals bestanden die kämpfenden Parteien aus Landsknechten, die ihre Abende gern bei Wein und Würfelspiel in den Schänken oder Zelten der Marketender verbrachten. Zu einer festgesetzten Stunde schritt der Profos, der in den Lagern für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatte, zusammen mit einem Pfeiffer und einem Trommler durch die Schenken und Zelte. Dort schlug er mit einem „Stecken“, einem Stock, auf den Zapfen des Fasses , um sicher zu gehen, dass es verschlossen war. Danach hatten alle Landsknechte sofort ihre Unterkünfte aufzusuchen, die Wirte mussten ihre Schenken schließen. Bereits im Jahre 1596 wurde erstmals ein Abendsignal in Verbindung mit dem „Zapfenschlag“ erwähnt.Der Zapfenstreich, wie wir ihn heute kennen, stammt aus dem Jahr 1813. In den Freiheitskriegen gegen Napoleon kämpften die Preußen an der Seite der Russen. Einer Überlieferung zufolge habe König Friedrich Wilhelm III. im Lager der Russen das Lied: „Ich bete an die Macht der Liebe“ gehört. Dies ist zwar nicht zu beweisen, das Lied aber habe seit damals einen festen Platz in der Abfolge des Zapfenstreiches, zusammen mit dem Befehl „Hut ab zum Gebet“. Die noch heute gültige Form des "Großen Zapfenstreichs", mit Locken, Zapfenstreich und Gebet, stellte Friedrich Wilhelm Wieprecht, der legendäre Wegbereiter deutscher Blas- und Militärmusik zusammen. Sie erklang in dieser Form erstmalig am 12. Mai 1838 in Berlin als Abschluss eines Großkonzertes zu Ehren der russischen Zaren mit 1200 Mitwirkenden. In der Bundeswehr genießt der „Große Zapfenstreich“ eine besondere Bedeutung. Er darf nur zu besonderen Anlässen und unter strikten protokollarischen Auflagen durchgeführt werden, so schreibt es die Zentrale Dienstvorschrift vor. Schützen und Bundeswehr halten sich dabei an die überlieferten Vorgaben: Bei der Bundeswehr wird der „Yorck‘sche Marsch“ gespielt, der an die Befreiungskriege gegen Napoleon erinnert. Die musikalische Gestaltung übernehmen die Spielleute (Tambourcorps) und ein Musikzug (Musikverein). Zu den Klängen eines Militärmarsches formieren sich Schützen und Musiker auf dem Krönungsplatz. Vor dem eigentlichen Zapfenstreich intoniert der Musikzug eine Serenade. Der Zapfenstreich selbst folgt immer einem vorgegebenen Ablauf: Dem „Locken“ zum Zapfenstreich, einem Signal, das Flöten und Trommeln des Tambourcorps spielen. Darauf folgt der Marsch, der sich nahtlos an das Locken anschließt und von dem Musikzug gespielt wird. Im folgenden „Harmonischen Zapfenstreich“ bläst ein Trompeter drei Signale, immer im Wechsel mit dem Musikzug. Das erste Signal ruft die Soldaten in die Kaserne zu kommen, das zweite die Verwundeten und das dritte erinnert an die, die nie mehr heimkommen. Dann intoniert der Trompeter das Zeichen zum Gebet, wieder zusammen mit dem Orchester. Darauf folgt nach dem Kommando: „Hut ab zum Gebet“ das Musikstück „Ich bete an die Macht der Liebe“ des russischen Komponisten Dimitri Bortnianski. Flöten und Trommeln geben das Signal zum Abschlagen nach dem Gebet, Trompete und Orchester schließen sich mit dem Ruf nach dem Gebet an, der letzten Aufforderung zur Rückkehr in die Kaserne. Seit dem Jahre 1922 bildet die Nationalhymne den Abschluss des Zapfenstreiches. Zur Nationalhymne wird präsentiert.

 

Literaturhinweis: Festschrift 40 Jahre Stabmusikkorps und Wachbataillon BMV